Die Geschichte

JAYBNB – Ein Haus mit Geschichte

Gneisenaustraße 93 · 44147 Dortmund

Zwischen Dortmunder Hauptbahnhof und Dortmunder Hafen steht ein Gründerzeithaus, das über ein Jahrhundert Stadtgeschichte in sich trägt – und heute ein Zuhause für unsere Gäste ist. JAYBNB steht für gemütliche Übernachtungen mit bester Technik und Geschichte – entdecke hier, was Jaybnb so besonders macht.

So modern wir auch sind: Wir vergessen nicht, wo wir stehen. Dieses Haus hat eine Geschichte, die wir nicht übertüncht, sondern bewahrt haben. Wer wissen möchte, was aus diesen Wänden geworden ist – und was aus ihnen werden musste – ist herzlich eingeladen, weiterzulesen.


Die Geschichte der Gneisenaustraße 93

Vom prägenden Stadthaus zum verlassenen Gebäude – und zurück

Kapitel 1 · 1906–2000

Ein Haus in einer Stadt, die aus dem Boden wächst

Als dieses Haus um 1906 errichtet wurde, war die Dortmunder Nordstadt eine Baustelle im besten Sinne. Die Stadt wuchs rasant – und dieses Gebäude war Teil davon.

Gerade sieben Jahre zuvor hatte Kaiser Wilhelm II. den Dortmunder Hafen eröffnet – den ersten großen Binnenschifffahrtskanal Deutschlands, direkt vor der Tür. Das Viertel zwischen Hauptbahnhof und Hafen pulsierte. Das Haus in der Gneisenaustraße 93 haben wohlhabende Bürger dieser aufstrebenden Industriestadt gebaut. Sie errichteten es im edlen Gründerstil mit einer ornamentreichen Fassade, hohen Decken, Wandornamenten und aufwendigen Holzschnitzereien nach dem damaligen Stand der Technik.

Am 30. Juli 1924 zog die jüdische Familie Schnog in die Gneisenaustraße 93 ein. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde Eugen Schnog im KZ Sachsenhausen inhaftiert, 1940 musste die Familie zwangsweise umziehen, bevor sie 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Heute erinnern drei Stolpersteine vor dem Haus an ihr Schicksal.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Dortmund nahezu vollständig zerstört – rund 95 % der Innenstadt lagen in Trümmern. Eine Bombe traf die linke Hälfte des Hauses und riss sie nieder, während die rechte Hälfte sowie die gesamte Fassade wie durch ein Wunder stehen blieben. Die Nachbarhäuser mussten nach dem Krieg komplett neu errichtet werden, doch die originale Gründerzeit-Fassade der Gneisenaustraße 93 hat mehr als 120 Jahre überstanden.

Dortmunds Norden um 1906 – eine Stadt in Hochform

Als die Gneisenaustraße 93 entstand, hatte Dortmund gerade die 100.000-Einwohner-Marke geknackt. Was das bedeutete: Großstadtstatus, Selbstbewusstsein, Bauwille. Die Nordstadt war in dieser Zeit das pulsierende Herz der Industriestadt – dicht bebaut in Blockrandbebauung, entstanden zwischen 1890 und 1914. Heute ist sie das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel in Nordrhein-Westfalen.

Der Dortmunder Hafen war der Auslöser dieses Booms. Am 11. August 1899 eröffnete Kaiser Wilhelm II. den Hafen feierlich und damit den Dortmund-Ems-Kanal – 265 Kilometer lang, 15 Schleusen, Verbindung bis zur Nordsee. Für die Wirtschaft war das ein Durchbruch: Schwedisches Eisenerz konnte günstig ins Ruhrgebiet transportiert werden, Kohle und Stahl gingen den umgekehrten Weg. Die Kapazitätsprognose von 4,5 Millionen Gütertonnen pro Jahr wurde bereits neun Jahre nach Eröffnung übertroffen. Heute ist Dortmund Europas größter Kanalhafen.

Rund um den Hafen zogen Arbeiter und Zuwanderer in die Nordstadt. Die drei Säulen dieser Stadt – Kohle, Stahl und Bier – waren direkt im Viertel verwurzelt. Hoesch-Stahlwerke, Zeche Kaiserstuhl, Brauereien. Daneben gab es aufstrebende Kaufleute, Handwerker und Bürger, die in dieser Zeit Mietshäuser als Anlageobjekte errichteten. Wer solide baute, baute für Generationen.

Ein Gründerzeithaus wie dieses war kein gewöhnliches Gebäude. Gründerzeit-Architektur stand für Anspruch: stuckierte Fassaden mit Ornamenten, Gesimsen und Pilastern, hohe Decken von drei bis vier Metern, große Fenster, repräsentative Treppenhäuser. Die Konstruktion – massives Ziegelmauerwerk mit bis zu einem Meter Wandstärke im Keller – ist der Grund, warum dieses Haus heute noch steht. Das erste Obergeschoss, die sogenannte Beletage, war das vornehmste Geschoss, am aufwendigsten ausgestattet. In diesem Haus wohnten keine Fabrikarbeiter. Hier lebten Menschen mit Mitteln.

Die Familie Schnog – ein Leben an der Gneisenaustraße 93

Am 30. Juli 1924 zog die jüdische Familie Schnog in das Haus ein. Eugen Schnog, geboren 1895 in Brackel, und seine Frau Johanna, geborene Marx, geboren 1895 in Schweinheim, hatten 1922 geheiratet. Hier, in der Gneisenaustraße 93, kam am 31. Dezember 1927 ihre Tochter Edith zur Welt.

Eugen Schnog war Kaufmann. Die Familie gehörte zur jüdischen Gemeinde Dortmund, die in dieser Zeit auf ihrem historischen Höhepunkt war – rund 4.500 Mitglieder, eine der größten jüdischen Gemeinden Westfalens. Die im Jahr 1900 eingeweihte Synagoge am Hiltropwall fasste 1.300 Plätze und war eine der prächtigsten in ganz Deutschland.

Nach der Pogromnacht änderte sich alles. Eugen Schnog wurde am 31. Dezember 1938 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Am 8. Oktober 1940 wurde die Familie gezwungen, die Gneisenaustraße 93 zu verlassen und in ein sogenanntes „Judenhaus“ am Papengarten 14 umzuziehen – eines von vielen Zwangsumzügen, mit denen die Nazis jüdische Familien aus ihren Wohnungen trieben, bevor sie sie deportierten. 1943 wurden Eugen, Johanna und Edith Schnog nach Auschwitz deportiert. Alle drei wurden ermordet. Edith war 15 Jahre alt.

Heute erinnern drei Stolpersteine vor dem Eingang des Hauses an ihr Schicksal. Die kleinen Messingtafeln im Bürgersteig – ein Kunstprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig – sind heute das größte dezentrale Mahnmal der Welt: mehr als 120.000 Steine in über 31 Ländern. Jeder beginnt mit den Worten: „Hier wohnte.“ Auf juedisches-dortmund.de ist die vollständige Biografie der Familie Schnog dokumentiert. Dortmund hat heute über 400 solcher Steine.

Kriegsschäden und Wiederaufbau

Als Dortmund im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe fast vollständig zerstört wurde – nach Schätzungen wurden bis zu 95 Prozent der Innenstadt vernichtet – traf auch die Gneisenaustraße 93 ein Treffer. Eine Bombe schlug in die linke Gebäudehälfte ein und riss sie nieder. Die rechte Hälfte, mit der originalen Fassade, blieb erhalten. Während die Nachbarhäuser nach 1945 neu errichtet werden mussten, trägt dieses Haus noch heute seine originale Gründerzeit-Fassade. Die linke Hälfte wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und später durch eine Renovierung in den 1970er Jahren in Stand gehalten – danach blieb das Gebäude lange Zeit sich selbst überlassen.


Kapitel 2 · 2000–2020

Das Haus hört auf zu atmen

Irgendwann Anfang des neuen Jahrtausends zog nach einem kleinen Brand der letzte Mieter aus dem Haus aus. Dann blieb es still.

Was folgte, waren zwei Jahrzehnte des langsamen Verfalls. Die Gneisenaustraße 93 wurde zu einem dieser Gebäude, an denen man lieber vorbeigeht. Eine einsturzgefährdete Fassade, zugemauerte Fenster, Feuerspuren – das Haus wurde zur Problemimmobilie. Es war nicht allein damit: Die Nordstadt kämpfte in dieser Zeit mit einer Welle verwahrlosender Gebäude, die das Viertel nachhaltig prägten.

Der damalige Eigentümer, der das Haus bis 2020 besaß, ließ die Immobilie über Jahre hinweg zunehmend verkommen. Notwendige Sicherungs- und Instandhaltungsmaßnahmen blieben aus, Hinweise wurden ignoriert. Der Zustand verschlechterte sich sichtbar – und wurde schließlich auch über die Nachbarschaft hinaus zum Thema.

Immer wieder geriet die Immobilie in den Fokus der Öffentlichkeit. Zwischen Stadt und Eigentümer kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen über Verantwortung, Auflagen und den Umgang mit dem Gebäude. Die Gneisenaustraße 93 wurde damit nicht nur zu einer baulichen Belastung, sondern auch zu einem lokalen Politikum.

Bis 2020 stand das Haus leer. Decken waren eingestürzt, Räume lagen offen, Wind und Wetter hatten freien Zugang. Die Räume hatten längst andere Bewohner gefunden.

Doch das Problem ging weit über dieses einzelne Haus hinaus. In den frühen 2000er-Jahren befand sich die gesamte Region an einem Tiefpunkt. Während der Verfall vielerorts seinen Höhepunkt erreichte, formten sich parallel die ersten Visionen – und die ersten, die bereit waren, groß zu denken.

Ab etwa 2015 setzte schließlich ein langsamer Wandel ein: Erste Renovierungen, neue Konzepte und frische Ideen markierten den Beginn einer Entwicklung, die mit der Zeit immer mehr an Dynamik gewann.

Im Jahr 2020 kam es schließlich zum Eigentümerwechsel – und mit ihm zu einer neuen Perspektive für die Gneisenaustraße 93.

Leerstehend, vergessen, baufällig

Nach dem letzten Mieter blieb die Gneisenaustraße 93 sich selbst überlassen. Was an historischen Gebäuden passiert, wenn jahrzehntelang nichts investiert wird, ist kein Geheimnis – es geht schnell. Feuchtigkeit zieht in die Wände, Holzbalkendecken beginnen zu faulen, Putz bröckelt, Glas zerbricht. Wer von außen vorbeiging, sah eine Fassade, die einmal schön war. Von innen war das Haus nicht mehr bewohnbar.

Das Gebäude geriet in den Zustand, den Stadtplaner als „Problemimmobilie“ bezeichnen – ein Begriff, der nüchtern klingt, aber viel aussagt. Es gab Berichte über eine einsturzgefährdete Fassade. Es gab einen Brand. Es gab Obdachlose, die immer wieder Zuflucht in den leerstehenden Räumen suchten. Und es gab eine unglaubliche Anzahl toter Tauben – die Vögel hatten das Haus besetzt, wie Tiere leer stehende Gebäude besetzen, wenn der Mensch aufhört, sie zu bewohnen.

Das Haus war nicht das einzige seiner Art in der Nordstadt. Die Nordstadt kämpfte damals mit einem ernsthaften Strukturproblem: Laut Stadt Dortmund gab es 2017 allein 122 städtebauliche Problemimmobilien in diesem Viertel. Gebäude, die zu Mahnmalen des Wegschauens geworden waren. Eigentümer, die nicht investierten oder nicht investieren konnten. Ein Viertel mit Geschichte – und einem Ruf, der ihr nicht gerecht wurde.


Kapitel 3 · 2020–Heute

Rückkehr

2020 begann die Sanierung. Was genau das bedeutete, lässt sich nicht in einem Satz sagen.

Die Gneisenaustraße 93 gehört zum Sanierungsgebiet „Südliches Nordmarktquartier“ der Stadt Dortmund – seit dem 31. Januar 2025 offiziell festgelegt, aber in der Praxis bereits seit Jahren aktiv begleitet. Das Haus wird von der Stadt heute explizit als Erfolgsbeispiel dieser Stadtentwicklungsarbeit gezeigt – mit Vorher-Nachher-Fotos, die keine Worte brauchen.

Das Viertel um das Haus ist nicht mehr dasselbe wie vor zehn Jahren. Und die nächsten zehn Jahre werden noch mehr verändern.

Die Sanierung – mit der Stadt, nicht gegen sie

Die Sanierung der Gneisenaustraße 93 war kein Solo-Projekt. Sie war eingebettet in einen stadtweiten Prozess, den Dortmund seit Jahren konsequent verfolgt: den sogenannten „Dortmunder Weg“ gegen Problemimmobilien. Das Prinzip: Fördern und fordern. Erst Bestandsaufnahme, dann Kontakt mit dem Eigentümer, dann Beratung, dann – wenn nötig – städtebauliche Gebote. Wer saniert, bekommt Unterstützung. Wer nicht saniert, bekommt Druck.

Das Ergebnis dieser Politik ist messbar: Von 122 Problemimmobilien im Jahr 2017 sank die Zahl bis Ende 2022 auf 39 – eine Reduktion um mehr als 70 Prozent. Die Gneisenaustraße 93 ist eine dieser Geschichten.

Im Februar 2025 veröffentlichte die Stadt Dortmund zwei Pressemitteilungen, in denen das Gebäude namentlich als Beispiel gelungener Stadterneuerung genannt wird – mit Fotos des damaligen Zustands und des heutigen Ergebnisses:

Die Sanierung konnte zusätzlich durch steuerliche Förderinstrumente begleitet werden, die für Gebäude in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten gelten: Nach § 7h EStG können Modernisierungskosten über zwölf Jahre vollständig abgeschrieben werden – ein Instrument, das private Investitionen in Bestandsgebäude überhaupt erst wirtschaftlich macht und damit historischen Gründerzeitbau am Leben hält.

Das Quartier im Wandel – warum dieser Ort gerade jetzt interessant wird

Die Gneisenaustraße 93 liegt mitten in einem der spannendsten Stadtentwicklungsprozesse Deutschlands. Direkt am Wasser, unweit des Gebäudes, entsteht das Hafenquartier Speicherstraße – eines der bedeutendsten urbanen Transformationsprojekte im Ruhrgebiet. Auf 13,5 Hektar am Dortmunder Hafen investieren Stadt und private Akteure bis 2030 rund 296 Millionen Euro. Es entstehen über 4.100 neue Arbeitsplätze, 5 Hektar öffentlicher Raum am Wasser, Gastronomie, Kultur und Büros. Das Projekt wurde 2023 mit dem EFRE.Stars NRW (1. Platz) ausgezeichnet und erhielt 2025 eine Auszeichnung beim Deutschen Städtebaupreis.

Bereits eröffnet sind die Akademie für Theater und Digitalität (September 2023, weltweit einmaliges Pilotprojekt als 6. Sparte des Theater Dortmund) und der Heimathafen Nordstadt (Mai 2024). Für den nördlichen Bereich prüft die Fachhochschule Dortmund eine Standortbündelung aller Campus-Standorte – was Tausende Studierende dauerhaft in diese Nachbarschaft bringen würde.

Parallel dazu laufen weitere Großprojekte: Die Sanierungssatzung für das „Südliche Nordmarktquartier“ – 75 Hektar, rund 1.100 Gebäude, in Kraft seit dem 31. Januar 2025 – sichert die nächsten 15 Jahre Stadtentwicklung direkt um das Haus herum. Das Städtebauprojekt Smart RHINO auf dem ehemaligen Hoesch-Gelände denkt ganze Quartiere neu. Und die IGA 2027 – die Internationale Gartenausstellung – bringt zusätzliche Aufmerksamkeit in den Dortmunder Norden.

Dieses Haus ist kein isoliertes Sanierungsprojekt. Es ist Teil eines größeren Bildes, das gerade sichtbar wird.

Was geblieben ist

Der originale Eingangsflur, in dem du stehst, stammt aus dem Jahr 1906. Die Fassade ist dieselbe, die Kaiser Wilhelms Hafen-Eröffnung überlebt hat, den Zweiten Weltkrieg, zwanzig Jahre Leerstand. Die Stolpersteine vor der Tür erinnern an die, die hier gelebt haben und nicht zurückkehren konnten. All das ist Teil dieses Ortes – nicht trotz der Geschichte, sondern wegen ihr.

Wir haben das Haus nicht neu erfunden. Wir haben es zurückgegeben.

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